entpuppen

Illustration zu entpuppen
Bild im Kopf, wörtlich genommen.

Bedeutung

Sich als etwas anderes herausstellen als zunächst angenommen — oft überraschend.

Beispiel

„Der stille Kollege entpuppte sich als begabter Pianist.“

Wer sich entpuppt, verlässt sprachlich eine Puppe. Gemeint ist die Entwicklungsphase vieler Insekten zwischen Raupe und Schmetterling — und nicht etwa der Kokon. Der Kokon ist nur die gesponnene Schutzhülle; die Puppe sitzt darin wie ein äußerst schweigsamer Fahrgast in einem Wollschal.

Beim stillen Kollegen, der sich plötzlich als veritabler Pianist entpuppt, wird das Bild nun unerquicklich konkret: Aus einer bürotauglichen Insektenpuppe schält sich ein Mann im Hemd, setzt sich ungeniert an den Hotel-Flügel und spielt Chopin. Die Kollegen klatschen vorsichtig; man will höflich sein, aber keine Zugabe riskieren..

Das Verb meint also nicht bloß eine Überraschung, sondern eine Verwandlung: Etwas, das zunächst unscheinbar oder ganz anders wirkte, zeigt plötzlich seine eigentliche Gestalt. Diese war freilich schon immer da; nur versteckt unter den Verkleidungen des Alltags.