Vlies

Illustration zu Vlies
Bild im Kopf, wörtlich genommen.

Bedeutung

Lockere Faserschicht oder Fellstück — technisch ein textiles Flächengebilde, mythologisch das Goldene Vlies.

Beispiel

„Jason jagte das Goldene Vlies — nicht das Tegeler Fließ.“

Bild im Kopf

Ein Vlies ist Wolle, die sich noch nicht zu Stoff zusammengerissen hat: Fasern liegen als lockere Schicht beieinander, ohne gewebt oder gestrickt zu sein. Im Baumarkt dämmt es Wände, in der Textiltechnik wird es zu Filz, Watte oder ähnlichen Flächengebilden verarbeitet. In der griechischen Mythologie dagegen war es ein goldenes Widderfell, das in Kolchis an einem Baum hing und von einem Drachen bewacht wurde. Manche Faserschichten bekommen eben nie einen ruhigen Bürojob.

Sprachlich ist das Wort mit dem englischen fleece verwandt. Dort bedeutet es ebenfalls Vlies oder Schaffell — und plötzlich klingt die kuschelige Fleecejacke weniger nach Outdoor-Abteilung als nach einem sehr modernen Goldenen Vlies. Jason hätte vermutlich trotzdem lieber eine Rüstung getragen.

Genau hier trennt sich das Vlies vom Fließ. Beide klingen gleich, doch ein Fließ ist ein kleiner Wasserlauf, besonders geläufig etwa in Berlin und Brandenburg; das Tegeler Fließ ist also keineswegs ein missglücktes Dämmmaterial. Die Schreibweise hält mit erstaunlicher Strenge auseinander, ob man einem sagenhaften Widderfell nachjagt oder am Ufer in den Matsch tritt.

Wer vom Goldenen Vlies spricht, meint Beute, Glanz und Mythos. Wer einem Fließ folgt, meint Uferweg und nasse Schuhe. Ein Buchstabe entscheidet, ob ein Drache wartet oder bloß eine Pfütze.